Die genialste Windvohersage des Sommers 2009

Eine wahre Geschichte in mehreren Akten. Handlung, Personen und Ort sind nicht erfunden.

 
Mittwoch, 15.7.09:
Erste Anzeichen eines bevorstehendn Kaltlufteinbruches lassen die Hoffnung aufkeimen einen genialen Freitag bei satten 6 bft zu erleben.
Donnerstag, 16.7.09, morgens:
Die Anzeichen verdichten sich. Die Vorhersagen stimmen. Sie kommt, die kalte Luft aus dem Norden. Optimisten rechnen schon ab Freitag  Mittag damit. SMS werden versand, Telefonate geführt, Mails geschrieben. Termine werden verschoben, oder gar in die Region Achensee verlegt. Die Nervosität steigt und auch die Vorfreude. Es erwartet uns ein gigantischer Freitag. 6 bft minimum.
Donnerstag, 16.7.09, mittags:
Kleine Korrekturen. Die Front könnt auch erst so gegen 14 Uhr eintreffen. Macht nix. Haupsache sie kommt. Halb Tirol steht schon in den Startlöchern.
Donnerstag, 16.7.09, abends:
Nochmals korrektur. Ankommen der Front eher gegen 16 Uhr, auch früher Abend möglich. Macht nix. Hauptsach sie kommt. Das Material wird schon mal gecheckt. Ja nix vergessen.
Freitag, 17.7.09, morgens:
Alles bereit. Es ist sauschwül. Aber auch gewiß: Am Nachmittag wirds kalt. Die Kaltfront kommt. Und mit ihr der Wind des Jahres.
Freitag, 17.7.09, vormittag:
Die ersten Ungeduldigen warten schon mit gierigem Blick gen Norden am Seeufer.
Freitag, 17.7.09, mittags:
Die Uferstrasse füllt sich. Nicht nur unsere Clique hat sich gegenseitig mit Erwartungen hochgeschaukelt.
Freitag, 17.7.09, früher Nachmittag:
Ich seh die erste Bierdose in eines Surfers Hand. Die Nerven liegen blank. Noch ziehen die Wellen von Süd nach Nord. Aber das ist immer so, bevor es richtig aus dem Norden rauscht. Die Luft wird angesaugt bevor sie mit aller Macht 10fach verstärkt wieder Richtung Süden gedrückt wird. Das weiß doch jeder Achensee Local.
Was sollen wir aufbauen? Hätt ich doch das kleine Schnittchen mit 65 Liter mitnehemn sollen? Das 100 Liter Waveboard doch zu groß? 5.2 Segel schon mal total flach trimmen, dann kann nix schief gehen.
Freitag, 17.7.09, später Nachmittag:
Immer noch Südströmung. Wichtigste Info vom Kollegen Blueberry: Die Front steht in Reutte und ist mit 40kmh Richtung Süden unterwegs. Das heißt: kleine Korrektur. Es wird wohl erst so um 19 Uhr losgehen. Macht nix. Immer noch zweieinhalb Stunden Zeit bis es dunkel wird. Bei voll Hack reicht das auch.
Freitag, 17.7.09, 18 Uhr:
Totenstille. Was ist los? Gibts da vielleicht eine Sperrschicht? Bläst der Wind 100m über der Seeoberfläche drüber? Wer hatte eigentlich die blöde Idee mit der Kaltfront? Sind die pseudometeorologischen Aussagen überhaupt wissenschaftlich bewertet worden? Hat der Berger seine Finger im Spiel?
Erste Zweifel. Erstes verzweifeln. I geh auf einen Kaffee im Schwarzenau-Camp. Zwei Riggs warten auf ihren Einsatz.
Freitag, 17.7.09, 19 Uhr:
Es beginnt zu regenen. Ich glaub die Kaltfront ist draussen in Murnau links abgebogen. Ein schöner Nachmittag am See neigt sich dem Ende zu. Ich schaffs gerade noch die Segel trocken ins Auto zu schmeißen.
Ich bin der letzte am Gelände, mach alles dicht. Was is eigentlich passiert? Regentropfen bilden Kreise auf der ruhigen Seeoberfläche. Ich muß grinsen. Wann hab ich mich eigentlich das letzte mal so anstecken lassen? Zu einer Surfaktion die dann doch keine war? Lang ist's her. Aber es war höchtste Zeit dieses Gefühl wieder einmal zu erleben. Und halb so schlimm, und ich hab die Gewissheit, dass es hundert anderen auch so ergangen ist. Ceep cool. Die geilen Manöver hab ich dann in meinen Träumen nachgeholt........
 

 

 

   
  last update: 17.7.09   Impressum   webmaster